HERPES ZOSTER
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Die Unterlassung einer Verordnung
antiviraler (= gegen die Erreger gerichteter)
Substanzen bei
Herpes
zoster kann heutzutage als ärztlicher
Kunstfehler gewertet werden (falls nicht andere Gründe gegen eine Verordnung
sprechen). Rezeptiert werden kann Aciclovir (z.B. Zovirax®), Brivudin (Zostex®), Famciclovir (Famvir
Zoster®) oder Valaciclovir (Valtrex®).
"Schmerzmittel" der 1.Wahl sind bei einem Schmerz bei oder nach Herpes zoster Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®). Von der Stoffgruppe her sind diese Mittel eigentlich eher gegen die Fallsucht, es hat sich aber gezeigt, daß auch ein sog. neuropathischer Schmerz gut darauf anspricht und der Schmerz bei oder nach Herpes zoster ist ein solcher.
Warum wird der Herpes
zoster auch als Gürtelrose bezeichnet?
Der Name Zoster
kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Gürtel" entsprechend der gürtelförmigen
Hautausbreitung am Körperstamm.
Der Herpes zoster befällt überwiegend die Nerven segmente der unteren Brust wir belsäule, seltener den Gesichtsbereich (Gesichtsrose) bzw. Kopfbereich (Kopfrose) (Herpes zoster ophthalmicus, Herpes zoster oticus).
Beim Herpes zoster handelt sich um eine Reaktivierung bereits vorhandener Viren. Es liegt also keine Neu- oder Zweitinfektion vor.
Der Erreger ist der
Herpes -Varizellen-Virus. Als
Tröpfcheninfektion führt der Erstkontakt vorwiegend bei Kindern zu den bekannten
Windpocken, an sich eine harmlose Kinderk rankheit. Nach dieser
Er krankung
wandert das Virus entlang den Nervenfasern zu den Spinalganglien
(= Ansammlungen von
Nerven
zellen in der Nähe des
Rücken
marks) und kann
dort Jahrzehnte überleben, ohne daß K
rankheitszeichen vorhanden sind.
Kommt es aber zu einer
Schwächung des Immunsystems, so z.B. im Rahmen einer
Krebs
er krankung, wird das
Virus reaktiviert und erreicht über sensible
Nerven
bahnen die Haut und es entsteht der
Herpes zoster. Auch Stress oder seelische Belastungen können für die
Virusreaktivierung verantwortlich sein.
An einem Herpes zoster erkranken meist ältere Personen über 50 Jahre, die Inzidenz (= Anzahl neuer Erkran kungsfälle) beträgt etwa 4-5 pro 1000 Einwohner.
Der Herpes zoster beginnt mit brennenden, juckenden Schmerzen im Bereich der befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindung) einher. Schon die Berührung der Haut im befallenen Bereich verursacht einen starken Schmerz (eine sog. Allodynie). Einige Tage später bilden sich Hauterscheinungen wie rote Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog. Effloreszenzen heilen in der Regel nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise verschwinden dann auch die Nervenschmerzen wieder. Dieser Schmerz wird auch als neuropathischer Schmerz (= Nerveneigenschmerz) bezeichnet.
Behandlung des akuten Herpes zoster:
Antivirale (= gegen das Virus gerichtete) Therapie: z.B. Aciclovir (z.B. Zovirax®), das Medikament wirkt als Guanosinanalogon auf die Replikation (= Neuentstehung der Erbsubstanz) des Virus, verringert die akuten Schmerzen, die Erythembildung (= flächenhafte Hautrötung) und die Neubildung von Läsionen und läßt die Effloreszenzen (= Hauterscheinungen) schneller abheilen. Weitere antivirale Substanzen: Brivudin (Zostex®), Famciclovir (Famvir Zoster®) und Valaciclovir (Valtrex®). Weitere antivirale Substanzen sind Brivudin (Zostex®), Famciclovir (Famvir Zoster®) und Valaciclovir (Valtrex®).
Lokale (= örtliche)
Schmerztherapie
mit antiviralen (= gegen Viren gerichtete) Substanzen
bei
Herpes zoster:
Idoxuridin oder Desoxyuridin in Dimethylsulfoxid (Zostrum®) wird viermal täglich vier Tage lang auf die betroffenen Hautstellen
aufgetragen und führt zu einem schnellen Rückgang des Schmerzes (Wassilew
1988). Alternativ bietet sich Vidarabin Salbe an (zweimal täglich) (Hempel
1993).
Antivirale Substanzen beeinflussen den
Schmerz ab dem fünften Tag nach
Auftreten der Zostereffloreszenzen (= typischer Hautausschlag
bei Herpes zoster) nicht mehr. Danach ist der Einsatz
antiinflammatorischer (= entzündungshemmender)
Pharmaka angezeigt.
Lokale (= örtliche)
und systemische (= den Gesamtorganismus
betreffende) Schmerzbehand
lung mit Steroiden (=
Hormon aus der Nebennierenrinde) bei
Herpes zoster:
Injektionen mit
Glukokortikosteroiden wie z.B. 25 mg Prednisolon z.T. mit
Lokalanästhetikum
z.B. Bupivacain 0,25 % in die betroffenen Hautareale werden empfohlen (Hempel
1993), wobei sowohl Schmerzreduktion als auch verringertes Auftreten einer
Zosterneuralgie (=
Schmerz, der nach Abheilung
des Herpes zoster weiter besteht) gesehen wurden, allerdings fehlen hierzu
kontrollierte Studien. Das gleiche gilt für epidurale (=
rückenmarknahe) Steroidinjektionen oder Injektionen an den
Trigeminus durch das Foramen ovale. Systemische Therapie mit Corticosteroiden
und ACTH (= Hormon, das im Gehirn gebildet wird)
ist umstritten. Wassilew
(1988) beobachtete jedoch unter der Gabe von 1 mg Methylprednisolon pro kg Körpergewicht bei
rechtzeitigem Therapiebeginn innerhalb von 10 Tagen hervorragende Reduktion bzw.
Sistieren (= Wegbleiben) des akuten Schmerzes. Empfohlen
werden Kortikosteroiddosen von 40-60 mg pro Tag in der ersten
Woche mit Ausschleichen der Dosierung in den nächsten 1-2 Wochen (Zenz
1994).
Es sind Fälle beschrieben, bei denen sich ein generalisierter
(= auf den gesamten Körper ausgebreiteter) Herpes zoster entwickelte.
Das Risiko des Auftretens eines disseminierten (= über den Körper
verstreuten) Herpes zoster wird aber als relativ gering betrachtet (Loeser
1986).
Medikamentöse
Schmerzbehandlung mit systemischen
Analgetika (= im ganzen
Körper wirkenden Schmerzmittel) und
Co-Analgetika (= Mittel die
Schmerzmittel in ihrer Wirkung unterstützen) bei
Herpes zoster:
In der
Literatur werden verschiedene Pharmaka zur
Schmerztherapie
bei Herpes zoster genannt. Dabei muß bedacht werden, daß der Schmerz bei
Herpes zoster
-Patienten unter 50 Jahren ohnehin normalerweise spontan sistiert
(= aufhört). Ein
Therapieversuch mit Gabapentin (z.B. Neurontin®)
oder Pregabalin (Lyrica®) ist oft erfolgreich.
Interessant sind Untersuchungen über den Einsatz
von Levodopa (Kernbaum 1981) und Adenosinmonophosphat (Sklar 1985)
zur
Schmerzbehandlung bei
Herpes zoster.
Schmerzbehandlung mit lokalen Therapeutika (= Mittel die örtlich aufgetragen werden) bei Herpes zoster: Benedittis (1992) propagiert die lokale Applikation von Acetylsalicylsäure (= Wirkstoff von Aspirin®) in Diaethylaether gelöst.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika) zur
Schmerzbehandlung bei
Herpes zoster:
Hierbei
werden in der Literatur Hautinfiltrationen mit Lokalanästhetika, oft mit
Glukokortikoiden gemischt, Blockaden des somatischen und vegetativen (=
unwillkürlichen)
Nerven
systemes und auch intravenöse (=
in eine Blutader gespritzte) Lokalanästhetikagabe bei entsprechender
Lokalisation beschrieben (Zenz 1994).
Rechtzeitiger Beginn der Behandlung
innerhalb von zwei bis drei Wochen und vor allem auch
Sympathikusblockaden
(= Betäubungen eines Teils des unwillkürlichen Nervensystems) führen zu
guter Schmerzreduktion und sollen das Auftreten pos
tzosterischer Neuralgien (=
Schmerzen, die nach Abheilung des
Herpes zoster weiter bestehen) verhindern. Bei Periduralanästhesien (= rückenmarknahe Betäubungen) können dem
Lokalanästhetikum Corticosteroide
zugemischt werden (Hankemeier 1988).
Mittlerweile gibt es auch einen
Impfstoff gegen die
Gürtelrose
(Herpes
zoster): Zostavax® -
Näheres erfahren Sie hier:
http://www.medknowledge.de/neu/2005/II-2005-25-herpes-zoster-impfung.htm
Wenn der Schmerz die
Hauterscheinungen des
Herpes zoster überdauert, meistens nach 4-6 Wochen, dann
ist die Kran kheit in eine
Neuralgie, genauer gesagt, in die
postzosterische Neuralgie
(auch als
Zosterneuralgie oder
postherpetische Neuralgie
bezeichnet)übergegangen.
Zehn Prozent aller Patienten mit
Herpes zoster entwickeln eine
Neuralgie (Loeser
1986). Begünstigend für das Auftreten dieser Neuralgie sind Intensität und Ausmaß der akuten
Herpes zoster -Er
krankung,
Diabetes mellitus (= Zuckerkran kheit),
Lokalisation des Herpes zoster (häufiger nach
Herpes
zoster ophthalmicus
(=
Gesichtsrose))
und vor allem das Alter der Patienten.
Die Inzidenz
(= Anzahl neuer Erkran
kungsfälle)
an
Zoster -
Neuralgie beträgt 20-60 Prozent bei den
über 60jährigen (Struppler 1988).
Der Schmerzcharakter bei der Neuralgie nach Herpes
zoster wird von den Patienten uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief
drückend oder brennend, blitzartig einschießend, stechend und brennend. Fast
regelmäßig besteht im Schmerzbereich eine Sensibilitätsstörung
(= Störung des körperlichen Empfindens), so in Form einer
Hyperpathie (=
Sensibilitätsstörung als Überempfindlichkeit gegenüber allen örtlichen Reizen)
oder auch Hyperalgie
(=
herabgesetzte Schmerzschwelle) bis hin zu einer
Allodynie
(= schon die
Berührung
der Haut im befallenen
Bereich führt zu Schmerzen).
Schmerztherapie bei der Neuralgie nach Herpes zoster:
Beim
Entstehungsmechanismus dieser Schmerzzustände spielen sowohl zentrale
(= im
Rücken
mark)
als auch periphere
Nervenschäden eine Rolle. Dementsprechend werden
verschiedene Therapiemaßnahmen, die zentral oder/und peripher angreifen,
unterschiedlich erfolgreich sein (Hefermann und Lese
r, 1992
Schmerzk linik Ba d Mergen theim).
Die
Therapie der
Neuralgie nach Herpes zoster ist schwierig und setzt große
Erfahrung voraus. Dabei ist häufig eine gezielte "Polypragmasie"
(= Durchführung mehrerer Maßnahmen gleichzeitig)
erforderlich. Die Patienten betreiben zum Teil einen
Analgetikaabusus
(=
Schmerzmittelmissbrauch) oder
sind gar bereits abhängig, so daß vorrangig ein
Entzug erforderlich
ist. Infolge des chronischen Schmerzes entwickeln sich öfters psychische
Veränderungen, so daß auch psychotherapeutische Interventionen notwendig werden.
Eine systemische medikamentöse Therapie mit
Analgetika (=
Schmerzmittel) nach dem WHO
(= Weltgesundheitsorganisation)
-Stufenschema sollte zumindest ab Stufe 3 (z.B. Gabe von Morphin) erst dann
eingesetzt werden, wenn die Therapie mit Psychopharmaka, Antiepileptika
(= Mittel gegen das Anfallsleiden, auch bei
bestimmten Schmerz en wirksam) und
nichtmedikamentösen Verfahren, sowie perkutaner
(= durch die Haut hindurch)
Medikamentenanwendung ausgeschöpft wurde.
Antidepressiva (z.B. Doxepin, Maprotilin) (= Mittel gegen Depression),
evtl. auch in Kombination mit
Neuroleptika (z.B.
Levomepromazin)
(= Mittel zur psychischen Behandlung, aber auch gegen Schmerz en wirksam),
verschaffen Patienten mit
einer Neuralgie
nach Herpes zoster häufig
Linderung. Wir bevorzugen Amitriptylin in einer Tagesdosis von bis zu 75 mg, da
es in Kombination mit Analgetika, Antiepileptika und oder Neuroleptika stärker
wirksam ist.
Zur
Schmerzbehandlung bei dieser Neuralgie nach Herpes
zoster
wirken am besten sog. Antiepileptika (= eigentlich
Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei
Schmerz en
nach Herpes Zoster
hilfreich).
Als erste Wahl gelten heute Gabapentin (Neurontin®) und Pregabalin (Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin
(z.B. Tegretal®).
(Hinweis: Neurontin® ist bezüglich der Off Label-Bestimmungen
zur Behandlung der Neuralgie
nach Herpes zoster zugelassen und damit rezeptierfähig).
Zur Wirkstoffeinsparung und damit Reduzierung der
Nebenwirkungen kann mit Baclofen
(= ein Mittel zur
Muskel
entspannung) kombiniert
werden. Manchmal ist auch die Verordnung von Keltican®
(= ein Mittel, das z.T.
Nervenschädigungen reparieren kann)
hilfreich.
Zur perkutanen (= durch
die Haut hindurch) medikamentösen Schmerzbehandlung
der Neuralgie nach
Herpes zoster eignet sich Acetylsalicylsäure
(= bekannt als Aspirin®) z.B. in Ether
gelöst, wobei allerdings durch ASS eine Ablösung der Hornschicht der Haut und
bei Lösung in Chloroform dessen Leber- und
Nieren
giftigkeit zu beachten ist (Zenz
1994).
Capsaicin, Inhaltsstoff des spanischen Pfeffers, als Creme (0,025-0,075%)
verabreicht, kann ebenfalls schmerzlindernd wirken. Allerdings tolerieren einige
Patienten nicht die mit der Anwendung verbundenen Hautreizungen und
vorübergehende Schmerzverstärkung.
Auch eine Iontophorese
(= Verabreichung von Wirkstoffen durch die Haut mit Hilfe von Gleichstrom)
mit Vincristin ist zur Behandlung der Schmerzzustände geeignet, wenn der
Herpes zoster nicht länger als 6 Monate zurückliegt (Layman
1986).
In der medizinischen Literatur wird die Ansicht vertreten, daß die Erfolgsrate der
therapeutischen
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika)
abhängig von dem Zeitpunkt des Beginnes der
Schmerzbehandlungen nach Ausbruch des
Herpes zoster sei. Nach sechs Wochen (Hempel
1993) beziehungsweise 3 Monate (Zenz 1994) sei der Schmerz in den meisten Fällen durch
Nervenblockaden
(= Nervenbetäubungen)
nicht mehr günstig zu beeinflussen. Auch Loeser (1986) räumt der
therapeutischen Lokalanästhesie bei Patienten mit älterer Neuralgie
nach Herpes zoster kaum noch Nutzen ein.
Dem widersprechen aber zum Teil die
Erfahrungen anderer Autoren. Auch Hefermann und Lese
r (1992,
Schmerzt herapiezentrum
Ba d Mergen theim) berichten über gute Erfolge mit
Ner venblockaden, sofern diese konsequent durchgeführt werden.
Folgendes
Vorgehen hat sich bewährt: Nach einer positiven, schmerzlindernden Testblockade
wird eine Serie von Ner venblockaden mit einem lang wirksamen örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain in einer Konzentration von 0,25%)
durchgeführt, wobei anzustreben ist, die Folgeblockade immer dann anzusetzen,
wenn die vorhergegangene eben abgeklungen ist. Dazu bieten sich
kontinuierliche
Verfahren mittels Kathetertechnik (=
Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Nerv)
an.
Im Trigeminusbereich (Gesichtsrose,
z.T. Kopfrose) wird der betroffene Ast (hpts.
Stirn) am zugehörigen Austrittspunkt und die dominante Schmerzregion mit einigen
Millilitern eines Lokalanästhetikum
s betäubt.
In den mittleren und unteren
Halssegmenten kann der Plexus brachialis
(=
Arm
nervengeflecht) entweder wiederholt mit
Spritzen, oder besser mit der kontinuierlichen Technik
(= Einpflanzung eines dünnen Kunststoffschlauch
dicht an das Nervengeflecht) betäubt werden. Die
sog. retrograd hohe Variante erlaubt eine Blockadeausbreitung bis hoch zu den
Spinalwurzeln (= aus dem
Rücken
mark
stammende Ner venwurzel an der Wir belsäule). Der interskalenäre Zugang
(= im seitlichen, unteren Halsbereich) ist mit einem etwas größeren methodischen Risiko
behaftet.
Bei
Herpes zoster -Befall der Segmente im Bereich der
Brust
wir belsäule sind zur
Schmerzbehandlung
Interkostalblockaden (= Betäubungen
der Zwischen
rippen
nerven) angebracht, unterhalb
von Th 12 bieten sich Periduralblockaden
(= Betäubungen nahe am Rückenmark) mit Bupivacain
(z.B. 0,125%) an. Sind die Ner ven ischiadicus und / oder femoralis betroffen,
können diese wiederholt mit Spritzen oder auch
kontinuierlich mit Katheter
blockiert werden (Heferm ann und Le
eser, Schmerzt herapiezentrum
Bad Mergent heim 1992).
Viele Autoren betonen bei der Neuralgie nach
Herpes zoster die Effektivität einer
wiederholten
Sympathikusblockade
(= Betäubung eines Teils des sog. autonomes, selbständiges Nervensystems)
(z.B. Auberger 1990, Hempel 1993). Im Gesichts- und A
rmbereich
erfolgen dazu Stellatumblockade
n (=
Blockaden des Ganglion stellatum, eine
vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich).
Hempel differenziert weiter und empfiehlt für die Trigeminusäste 1 und 2
(= Sti rn, Wan ge)
zur
Schmerztherapie Blockaden des Ganglion cervicale superior
(= eine weitere vegetative Schaltstelle im oberen Halsbereich)
und weiter unten (3. Trigeminusast bis TH 4) Stel latumblockaden, wozu auch
verdünnte Opioidlösungen
(=
morphinähnliche Lösungen) verwendet werden können.
Im Brus t- und Lendenwir
belsäulenbereich bieten sich zur
Schmerztherapie Periduralblockaden
(= rückenmarknahe Blockaden)
und im
Kreuzbein
bereich Sakralanästhesien
(= ebenfalls eine rückenmarknahe Blockade, in Höhe des
Kreuzbein es)
an.
Topische (= eine
örtliche, oberflächlich wirkende)
Lokalanästhesie der betroffenen Hautareale, zum
Beispiel mit Lidocain-Spray oder Lidocain-Prilocain Creme (EMLA®),
wird zu
Schmerzbehandlungen
bei Neuralgie
nach Herpes zoster von verschiedenen Autoren eingesetzt (Milligan 1989).
Bei abnehmender Wirkung im Behandlungsverlauf ist an eine Tachyphylaxie
(= Wirkungsabschwächung bei wiederholter
Anwendung) zu denken. Zudem können bei lokaler
Anwendung zusammen mit Ner venblockaden toxische
(= giftige)
Lokalanästhetikakonzentrationen erreicht werden.
Neurolytische strong= nervenstrongerstörende)
Verfahren wie zum Beispiel epidurale
(= rückenmarknahe)
Einspritzung von Phenol (Neuendorf 1986) sollten bei bei einem Schmerz nach
Herpes zoster die Ausnahme bleiben. Von chirurgischen oder chemisch destruktiven
(= zerstörenden) Eingriffen
ist bei der Neuralgie
nach Herpes zoster abzuraten, da diese kaum zum Erfolg
führen (Kossmann 1986), beziehungsweise unbefriedigende
Langzeitergebnisse bei hoher Komplikationsrate aufweisen (Hankemeier
1988).
Bei den neurochirurgischen Verfahren sind periphere Neurektomien (= operative Teilentfernung eines
Ner ven)
und dorsale Rhizotomien (= chemische
Unterbrechung der hinteren Wurzel des Rückenmarks)
von geringem Nutzen. Am effektivsten soll eine DREZ-Läsion (Läsion der
dorsal-root-entry-zone)
(= elektrische "Verkochung"/Zerstörung der hinteren
Schmerzeintrittzone am Rückenmark)
sein (Zenz 1994). Ansonsten können eher elektrische
Stimulationsverfahren am Rückenmark wie SCS (spinal cord stimulation)
gewählt werden.
Die Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) mit
Klebeelektroden sollte zur Schmerzbehandlung nach
Herpes zoster eigentlich immer versucht werden, teilweise läßt sich damit eine
zufriedenstellende Schmerzlinderung erreichen.
Akupunktur wird in der
Literatur sehr unterschiedlich beurteilt. Nach Zenz (1994) hat diese
Therapie beim Schmerz nach Herpes zoster keine bessere Wirkung als Placebo
(= Wirkstoff-freies Scheinmedikament).
Wenn Schmerz en nach Herpes zoster längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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